Kleines Seilbahnlexikon

 - der Versuch, komplizierte Sachverhalte allgemeinverständlich zu erklären


 

* Abt'sche Weiche: Begegnungsstelle bei eingleisigen SSB, bei denen die Wagen zwangsgeführt aneinander vorbeifahren.

* Abseilgeräte werden in Fahrzeugen, die große Höhen queren sowie durch Bergungsmannschaften mitgeführt. Sie dienen dazu, Fahrgäste aus der feststehenden Kabine zum Erdboden herabzulassen. Für Abseilgeräte gelten spezielle, länderspezifische Vorschriften.

* Antriebe unterscheidet man in Haupt-, Hilfs-, und (oder) Notantrieb. Antriebe müssen über zwei voneinander unabhängige Energiequellen und Motoren verfügen. Für den Hautantrieb wird in der Regel ein Elektromotor, für die anderen Antriebe ein Verbrennungsmotor eingesetzt. Hilfsantriebe sind vorzusehen, wenn  die Bahn bewohntes Gebiet allein erschließt, Richtung Bergstation geborgen werden muss sowie wenn ungünstige Bergeverhältnisse vorliegen und keine Bergungsbahn vorhanden ist. Für die Bergung der Reisenden mittels Hilfs- bzw. Notantrieb darf in der Regel der Zeitraum von einer Stunde nicht überschritten werden.

* Ausfahrtkontrolle: System welches sicherstellt, dass vor Verlassen der Stationen alle sicherheitsrelevanten Parameter erfüllt sind. Dazu zählen unter anderen: keine Überschreitung des zulässigen Gesamtgewichts der Fahrzeuge, verriegelte Türen, fester Sitz der Klemmen am Förderseil bei kuppelbaren Anlagen, Einhaltung des Mindestabstandes zum vorher fahrenden  Fahrzeug bei Umlaufbahnen.

* Auflageschuhe tragen das Tragseil, welches frei in der Nut des Auflageschuhs liegt. Der Seilquerschnitt wird cirka zur Hälfte umfasst. Auflageschuhe können fest, aber auch geringfügig schwenk- und kippbar sein. Sie ermöglichen die Längsverschiebung des Tragseils.

B

* Bergungsbahnen sind bei Pendelbahnen erforderlich, bei denen ungünstige Bergeverhältnisse (mittlere Abseilhöhe von mehr als 100 m, längere Strecken über Wald ...) vorliegen. Sie müssen vom Hautantrieb unabhängig sein, ihre Leistungsfähigkeit muss der Bahnlänge und dem Fassungsvermögen der Kabine entsprechen. Mit ihr müssen die Reisenden längs der Seile geborgen werden können.

* Bergschwebebahnen sind in der Regel Luftseilbahnen. Als am Traggerüst fahrende Sonderkonstruktion gilt die Dresdner Bergschwebebahn als älteste (neuzeitliche)  Bergschwebebahn der Welt.

* Bremsen: Hauptantriebe müssen mit mindestens zwei voneinander unabhängigen Bremsen (Betriebsbremse und Sicherheitsbremse) ausgerüstet sein. Die Bremswirkung muss in beiden Fahrrichtungen gleich sein, alle Bremsbauteile müssen die 3,5-fache Sicherheit gegen die Streckgrenze aufweisen.

* Bremsseil ist ein bei älteren Schwebebahnen zusätzlich vorhandenes Seil, welches von einem eigenen Hilfsmotor angetrieben wurde. Im Falle eines Zugseilrisses oder einer übermäßigen Zugseilbelastung umschlossen die Klemmen einer Bremsvorrichtung das Bremsseil und die Kabinen konnten durch den Hilfsantrieb in die Stationen verbracht werden.

C

 

D

* Doppelstockpendelbahnen (DBP) sind Sonderkonstruktionen, bei denen zweigeschossige Fahrzeuge zum Einsatz kommen. Die erste DPB der Welt war die LSB Samnaun.

* Drahtseilbahn Synonym für Standseilbahn.

E

* Einfahrkontrolle, Sicherheitssystem welches bewirkt, dass die Fahrzeuge nur mit einer bestimmten definierten Geschwindigkeit in die Stationen einfahren können und bei Erreichen der Endlage stillgesetzt werden.

F

* Fahrregime gibt an, auf welche Art die Fahrt gesteuert wird. Man unterscheidet automatisches und teilautomatisches Fahrregime sowie Steuerung von Hand.

* Fahrspiel ist ein kompletter Fahrzeugumlauf. Bei vollautomatischen Betrieb ist das komplette Fahrspiel gespeichert, es steuert beispielsweise die Stationseinfahrten und eventuell notwendige Geschwindigkeitsreduktionen bei Stützenüberfahrten.

* Fahrstand, auch Kommandoraum genannt ist der Ort, von welchem aus die Bahn im Regelfall gefahren wird. Die länderspezifischen Seilbahnvorschriften weisen konkrete Anforderungen für diesen Raum aus.

* Fahrzeuge (Wagen) dienen der Aufnahme der Fahrgäste. Aus betriebswirtschaftlichen Gründen müssen sie möglichst leicht sein, gleichzeitig aber die erforderliche Steifheit und Festigkeit besitzen. Genügend große Türen sorgen für einen schnellen "Umschlag" der Fahrgäste. Während der Fahrt sind Vorrichtungen in Funktion die verhindern, dass Türen geöffnet werden.

* Förderleistung ist das betriebliche Leistungsvermögen einer Bahn. Bei Materialseilbahnen erfolgt die Angabe in t/h, bei Personenseilbahnen in P/h. Man unterscheidet zudem in Förderleistung für eine bzw. beide Richtungen.

G

* Gehänge bilden die Verbindung von Laufwerk und Kabine z.B. bei PB. Sie sind mit Schwingungsdämpfern ausgerüstet, um die Längspendelung zu minimieren.

* Gruppenpendelbahn, Sonderform der Pendelbahn, bei der mehrere Fahrzeuge aneinander gekoppelt, fahren (z.B. Sektionen I und II der Ankogelhochgebirgsseilbahn).

* Gruppenumlaufseilbahn, Sonderform der Umlaufseilbahn, bei der statt einzelnen Fahrzeugen Gruppen von Fahrzeugen umlaufen (z.B. Sportbahn Beatenberg).

H

* Helikopterbergung ist eine Sonderform der Bergung bei havarierten Fahrzeugen in großer Höhe. Sie ist jedoch keine "Methode der 1. Wahl", da sie witterungsabhängig ist. Auch die enormen Kosten eines solchen Einsatzes sind hier zu nennen.

* Hilfsseil ist ein zusätzliches Sicherheitssystem für Seilbahnen. Es hat einen eigenen Hilfsantrieb und verbleibt im Regelfall in Ruhe über den Fahrbahnen. Im Havariefall kann die fahrfähige Kabine am Hilfsseil befestigt und in die Station verbracht werden. Andererseits kann mit dem Hilfsseil ein Bergewagen an die nicht fahrfähige Kabine verbracht werden.

I

* Isotope sind bei modernen Pendel- und Standseilbahnen in bestimmte, definierte Stellen des Zugseils eingearbeitet. Sie dienen bei der Einfahrt- und Wagenstandskontrolle als Indikatoren für den tatsächlichen Fahrzeugstand.

 

K

* Kopierwerke liefern die Informationen für die Steuerung und Überwachung des Fahrtprogramms. Es gibt elektronische und mechanische Kopierwerke. Im Stationseinfahrtbereich sind zusätzliche Sicherheitseinrichtungen (Kopierwerkkontrolle) vorhanden. Größere PB verwenden mehrere Kopierwerke, die sich gegenseitig überwachen.

L

* Länge horizontal beschreibt den Abstand von Tal- und Bergstation, gemessen an einer geraden, horizontalen Linie.

* Länge schräg beschreibt den Abstand von Tal- und Bergstation gemessen, gemessen an der tatsächlichen, schrägen Länge der Fahrbahn. Diese Länge wird auch als Betriebslänge bezeichnet.

* Lastwegkurve ist der Weg, den die Kabine bei ihrer Bewegung beschreibt.

* Leerseillinie beschreibt den Verlauf des unbeladenen Tragseils.

* Luftseilbahn: Synonym für Seilschwebebahn

 

M

* Materialseilbahnen dienen dem Transport von Lasten. Es gibt reine Materialseilbahnen, die lediglich dem Transport dienen z.B. in den südamerikanischen Erzminen sowie in Kraftwerksanlagen. Teilsweise erfolgt mit diesen Anlagen auch der Personaltransport. In zunehmenden Maße wurden Materialseilbahnen z.B. in Österreich umgebaut und der touristischen Nutzung zugänglich gemacht (Reißeck-Bahnen, Tafamunt-, Vermunt- und Lünerseebahn).

 

N

* nichtöffentlicher, beschränkt öffentlicher und öffentlicher Verkehr: beschreibt die Nutzungsprofile von Seilbahnanlagen. Nichtöffentlicher Verkehr bedeutet, dass die Anlage nicht für den touristischen Verkehr zugelassen ist. Öffentlicher Verkehr bedeutet Beförderungspflicht und beschränkt öffentlicher Verkehr sagt aus, dass die Anlage zur öffentlichen Nutzung freigegeben ist, jedoch keine Beförderungspflicht besteht. Der Betreiber kann in diesem Fall zu jeder Zeit die öffentliche Nutzung einstellen, wenn betriebliche Belange die Nutzung der Bahn z.B. als Materialseilbahn erfordern.

 

O

 

P

* Pendelbahnen sind Luftseilbahnen, auf denen geschlossene Fahrzeuge (Kabinen) vom Zugseil auf einem Tragseil hin- und herbewegt werden.

* Pendelstützen: Diese Besonderheit weist weltweit einzigartig die Dresdner Bergschwebebahn auf. 32 Stützen sind als Pendelstützen ausgebildet und eine Stütze ist fest. Die Pendelstützen gleichen die Temperatur bedingten Schwankungen der Eisenkonstruktion aus.

* Personenaufzug im Sinne dieser Seite ist ein Vertikalaufzug, in welchem ein oder zwei Kabinen senkrecht nach oben oder unten bewegt werden. Beispiele sind der Personenaufzug Bad Schandau - Ostrauer Scheibe sowie der Mönchsbergaufzug in Salzburg.

* Puffer: An den Enden der Stationen sind bei PB und SSB Puffer für das Laufwerk bzw. die Wagen anzubringen. Bei PB sind sie zu bemessen für den Anprall des Laufwerks mit der kleinsten überwachten Fahrgeschwindigkeit. Bei Standseilbahnen gelten separate Regelungen für Berg- und Talstation.

R

* Rollenbatterien: Über in Rollenbatterien zusammengefasste Rollen werden die Zugseile über die Stützen geführt. Nach der Überfahrt des Laufwerks wird das Zugseil wieder in der Nut der Rollen abgelegt.

 

S

* Schrägaufzüge sind eigentlich Standseilbahnen mit nur einem Fahrzeug und Windenbetrieb. Oft sind sie für den Materialtransport ausgelegt, teilweise für den öffentlichen Verkehr umgewidmet wurden. Einer der größten Personenschrägaufzüge verkehrt mit dem Lärchwandschrägaufzug im Kapruner Tal. Dort sind auch weitere nichtöffentliche Anlagen befinden, welche sich vor allem an (und in!) Staumauern sowie neben Druckrohrleitungen befinden.

* Seile untergliedert man in Trag-, Zug-, und Hilfsseile. Sie stellen das teuerste Bestandteil einer Seilbahn dar. Ihre Herstellung ist eine eigene "Wissenschaft für sich". Nähere Informationen finden Sie unter: www.fatzer.net

* Seilreserve: Um zu verhindern, dass z. B. Tragseile immer mit der gleichen Stelle auf den Seilschuhen  aufliegen, ist eine Tragseilreserve vorzuhalten die so lang ist, dass die Seile mindestens dreimal um die Länge des längsten Seilschuhs plus je 5 m nachgelassen werden können.

* Sesselbahnen sind Umlaufseilbahnen mit festen Klemmen, deren offene Fahrbetriebsmitteln ständig am bewegten Seil befestigt sind.

* Spanngewichte dienen der Spannung von Seilen. Sie werden in Spanngewichtsschächten geführt, im normalen Betrieb dürfen die Endlagen nicht erreicht werden. Bei Zugseilspanngewichten werden die Wege durch Puffer begrenzt.

* Spannweite eines Stützenfeldes beschreibt den geraden Abstand zwischen zwei Stützenköpfen.

* Standseilbahnen (SSB) sind Seilbahnen, bei denen Fahrzeuge auf einer festen Fahrbahn (in der Regel Gleise) vom Zugseil hin- und herbewegt werden.

* Stützen dienen der Führung des Tragseils. In der heutigen Zeit werden auf PB meist Fachwerkstützen verwendet, eine weitere Form sind Betonstützen (Predigtstuhlbahn). In vergangenen Zeiten wurden auch Holzstützen verwendet.

T

* Tunnelbahnen sind mit Ausnahme der Fleißalmbahn Heiligenblut Standseilbahnen, die fast ausschließlich unterirdisch verlaufen (Mölltaler Gletscherbahn, Pitzexpress ...). Sie sind weit weniger witterungsanfällig als oberirdische Anlagen. In der Erstellung sind sie jedoch sehr kostenintensiv und im Havariefall weit mehr gefährdet als konventionelle Standseilbahnen wie die Katastrophe der Gletscherbahn Kaprun II zeigte.

* Tragseilbefestigungen: Tragseile werden zumindest an einer Seite auf einer Trommel befestigt, die mit einem weichen, nicht rostenden Material belegt sind. Eine feste Verankerung von Tragseilen auf beiden Seiten ist nur in Ausnahmefällen gestattet.

 

U

* Umlaufseilbahnen (USB) mit kuppelbaren Klemmen sind Luftseilbahnen, deren Fahrzeuge in den Stationen vom bewegten Seil gelöst werden können. Es gibt Einseil- sowie Zweiseilumlaufbahnen. Die Fahrzeuge können geschlossen oder offen sein.

* Unfälle bei Seilbahnen sind sehr selten. Ursache ist meist Leichtsinn der Reisenden. Weitere Gründe sind menschliches Versagen des Personals, Fremdeinwirkungen z.B. von Luftfahrzeugen auf das Tragseil sowie technische Probleme. Das folgenreichste Unglück der Seilbahngeschichte ereignete sich am 11.11.2000 im österreichischen Kaprun. Beide Züge der unterirdischen Standseilbahn GBK II brannten im Tunnel aus, 155 Menschen fanden dabei den Tod.

V

* Verordnungen, Gesetze, Richtlinien und Betriebsvorschriften regeln den Betrieb von Seilbahnen. Informationen dazu finden Sie in der Literaturdatenbank dieser Homepage. Darüber hinaus existiert zu jeder Anlage eine Betriebsordnung, in der anlagenspezifisch sämtliche Anweisungen für den Regelbetrieb sowie für den Havariefall (Bergeordnung) enthalten sind.

* Vorstellwagen, auch Vorsetzwagen genannt, wurden bis um 1900 bei Standseilbahnen vor die eigentlichen Personenwagen "gestellt". Mit ihnen wurden z.B. auf der Dresdner Standseilbahn Güter, so auch komplette Pferdefuhrwerke, befördert.

 

W

* Wagenstandsanzeiger sind Anzeigeinstrumente, die den Bahnbediensteten im Maschinenraum und im Fahrstand anzeigen, an welchem Punkt der Strecke bzw. in den Stationen sich die Fahrzeuge gerade befinden. Man unterscheidet mechanische, elektrische und elektronische Wagenstandsanzeiger.

* Wasserbalastantrieb wurde in der Anfangszeit von Standseilbahnen vielerorts als Antriebsart verwendet. In der Bergstation wurde so viel Wasser in einen Tank des talwärts fahrenden Wagens gepumpt, dass dieser den beladenen, bergwärts fahrenden Wagen emporziehen konnte. Die  Nerobergbahn Wiesbaden benutzt  noch heute diese Antriebsart.

* Windenbahnen sind eine Sonderform der Seilschwebebahn. Dabei wird ein Fahrzeug von einem auf einer Winde befestigten Zugseil am Tragseil bewegt.

 

Z

* Zahnschienen wurden in der Frühzeit von Standseilbahnen in der Mitte der Gleise verlegt, um eine zusätzliche Bremsmöglichkeit für das Fahrzeug zur Verfügung zu haben.