ehemalige Gletscherbahn Kaprun II

Foto: E. Schurr
Bereits 1969 erwies sich, dass die Luftseilbahnen zum Kitzsteinhorn dem immer mehr expandierenden Skitourismus nicht gewachsen waren. Es war notwendig geworden, die beiden unteren Sektionen der Gletscherbahn Kaprun I durch den Bau einer zweiten Anlage zu entlasten. Von vornherein war das Ziel, beide Anlagen parallel zu betreiben, um einerseits die Beförderungsspitzen abfangen zu können und andererseits bei Ausfall bzw. Revision einer Anlage den Transport durch die zweite Anlage aufrecht erhalten zu können. Man diskutierte mehrere Varianten, von der Erweiterung der alten bzw. Neubau einer Luftseilbahn, Umlaufseilbahn, Standseilbahn und, als kühnstes Projekt, den Bau einer unterirdischen Standseilbahn. ;Man entschied sich schließlich für die letztere Variante. Sie war im Vergleich zu den anderen Projektvorschlägen zwar die kostenintensivste Lösung (die offizielle Kalkulation belief sich auf 147 Millionen Schilling), bot jedoch durch den geringeren Personalbedarf sowie die geringere Beeinflussung durch meteorologische Einflüsse die wirtschaftlichste Möglichkeit. Entgegen der ersten Planungen entschloss man sich, am Treffpunkt beider Zuggarnituren in der Streckenmitte einen Bedarfshaltepunkt zu errichten, von welchem aus der Breitriesentunnel ins Freie führt. Dadurch erhöhten sich die Baukosten schließlich auf 197 Millionen Schilling. Erster Spatenstich für den Bau war der 19. November 1971. Eingesetzt wurde die Tunnelbohrmaschine (Modell TB II) der Bohrgerätefabrik Alfred Wirth aus Erkelenz in Deutschland. Diese Maschine hatte ein Gewicht von 110 Tonnen, der Bohrkopf war mit 20 Disken- und 4 Warzenmeißeln besetzt. Die Bohrleistung betrug 396 kW, acht Hydraulikspannschilder klemmten die 42 m lange Maschine an den Stollenwänden fest. Jeder Arbeitstakt treib die Maschine 80 cm weiter in den Berg hinein. Die Bohrarbeiten dauerten genau ein Jahr. Neben der Stollenbohrmaschine wurden auch Arbeiten per Preßlufthandgeräten durchgeführt. Gesprengt wurde nur sehr vorsichtig, da der Seilbahnstollen bis auf 50 m an den Druckstollen der Kraftwerks-Hauptstufe Kaprun herankam. Ausgekleidet wurde der Stollen nur dort, wo das Gestein brüchig war bzw. dort, wo man Wasseradern ableiten musste. Die Eröffnung der neuen Anlage erfolgte durch den österreichischen Bundespräsidenten Dr. Rudolf Kirchschläger.
Die Anlage verrichtete über viele Jahre fehlerfrei ihren Betrieb, sie war die österreichische Seilbahn mit den meisten Fahrgästen. Am 11. November 2000 geschah das Unfassbare. Eine vollbesetzte Zuggarnitur geriet im Tunnel in Brand, beide Züge brannten aus, nur wenigen Fahrgästen gelang die Rettung. 155 Personen fanden den qualvollen Tod in den Flammen. Ursache war eine defekte Hydraulikleitung, deren auslaufender Inhalt durch einen Heizlüfter in Brand geriet.
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Betreibergesellschaft: |
Gletscherbahnen Kaprun AG |
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Anlagentyp: |
unterirdische Standseilbahn (Gletscherschienenbahn) |
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Eröffnung: |
23. März 1974 (andere Quellen: 30.11.1974) |
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Erneuerung der Zuggarnituren: |
1994 (u. a. Verdopplung der Wagenkapazität) |
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Tag der Katastrophe: |
11. November 2000 |
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Höhe Talstation Wüstelau: |
911 m |
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Bergstation Krefelder Hütte: |
2446 m |
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Mittelstation Breitriesen: |
Abt'sche Ausweiche mit 638 m langen Zugangsstollen (Breitriesentunnel) |
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Höhendifferenz: |
1535 m |
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schräge Länge: |
3900 m |
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Brückenlänge talseitig vor Stolleneinfahrt: |
911 m |
| größte Stützenhöhe: | 27,0 m |
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Stollenlänge: |
3298 m |
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Stollendurchmesser: |
3,60 m |
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Stufen: |
10.303 |
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Einfahrtskontrollen: |
140, 76, 42, 24 m - Einfahrt: 1 m/s |
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maximale Neigung: |
50,00 % |
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Zugseil: |
48 mm Durchmesser, 6 Litzen, 198 Drähte |
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Spannseil: |
29 mm Durchmesser: |
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Seilabspannung: |
Talstation mit 13 t Spanngewicht |
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Antrieb: |
2 x 800 kW in der Bergstation |
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Gesamtgewicht je Zug: |
38 t bei Vollbeladung |
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Fahrbetriebsmittel: |
2 zu je 180 Personen "Kitzsteingams" und Gletscherdrachen" |
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Geschwindigkeit: |
10,00 m/s |
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maximale Förderleistung: |
1240 Personen / Stunde / Richtung |
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bauausführende Firmen: |
Elin, Waagner-Biro, Swoboda, SIEMENS |
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letzte periodische Behördenuntersuchung: |
Juni 1997 |
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letzte Revision: |
September 2000 |
Bild 1: Talstation. Bild 2: Talstationen der Gletscherbahn Kaprun II sowie der Umlaufseilbahn, die die Gletscherbahn Kaprun I ersetzte. Bild 3: Wagen vor der Talstation. Bild 4: Wagen auf dem Einfahrtsviadukt, auf der linken Seite ist der Lastenaufzug zu sehen. Bild 5: Fahrpult.
Fotos: Bild 2: M. Schuster, Bilder 1, 3,4, 5: E. Schurr